Trauer

Trauer ist sehr unterschiedlich

Jeder wird die Erlebnisse, die durch Sterben und Tod ausgelöst werden, unterschiedlich erleben und mit der Erschütterung anders umgehen. Manche trauernden Tierhalter sind nicht in der Lage, zur Arbeit zu gehen. Andere suchen ihren Hausarzt auf, weil sie depressiv werden und vielleicht auch niemanden haben, mit dem sie über ihren Verlust und ihren Schmerz reden können.

Was ist eigentlich Trauer?

Trauer ist der Versuch der Seele, den Verlust des geliebten Tieres zu begreifen. Es ist die Antwort unseres Herzens auf einen Verlust. Durch den Prozess der Trauer lernen wir langsam und schmerzhaft den Verlust zu akzeptieren und uns wieder ohne die Katze, die wir verloren haben, aber mit allem, was diese Katze in uns belebt hat und wir durch und mit ihr erlebt haben, auf das Leben einzulassen.

Trauer ist mehr als "nur" traurig sein und weinen, wie wir es uns vielleicht bei dem Wort vorstellen. Es sind vielfältige Gefühle die in uns aufbrechen und ein langer, oft auch sehr einsamer Weg. Vermeiden wir die vielfältigen Gefühle der Trauer, so bleiben wir an die Vergangenheit gebunden und können uns nicht für die Gegenwart und die Zukunft öffnen. Wir bleiben gleichsam an diesem Punkt unseres Lebens stehen und verweigern das Leben.

Wovon hängt Trauer ab?

Unsere Trauer ist sehr abhängig von der Beziehung, die wir zu der verstorbenen Katze hatten. Wenn wir mit einer Katze eine sehr intensive Beziehung aufbauen, dann wachsen wir zusammen, unsere Seelen verbinden sich, unsere Wünsche, Träume und Hoffnungen. Wir fühlen uns dann bei dem Tod unserer Katze wie entzweigerissen, entwurzelt. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Für viele Tierhalter geht mit dem Tod ihrer Katze ein Kapitel ihres Lebens zu Ende und bei vielen werden Erinnerungen an frühere schmerzliche Verluste nahestehender Menschen oder geliebter Tiere wach.

Unsere Trauer ist auch geprägt von dem, wie die Katze gestorben ist: Hatten wir eine gemeinsame Zeit des Abschieds? Wussten wir von dem Tod und haben noch mal mit ihr gesprochen, sie ausgiebig gestreichelt? Denn dann haben wir schon gemeinsam miteinander Trauer gelebt, sind schon mit unserer sterbenden Katze ein Stück weit den Weg in das Land der Trauer gegangen. Wir haben vielleicht auch gesehen, wie sehr unsere Katze gelitten hat, wie jeder Tag für sie mühsam war, wie ihre Lebenskraft erloschen ist und sie nicht mehr konnte. Das kann uns oftmals helfen in ihren Tod einzuwilligen, weil wir erfahren haben, dass es für unsere Katze nicht mehr geht.

Vielleicht konnten wir sogar im Moment des Todes dabei sein, und unsere Katze begleiten. Wir haben dann vielleicht etwas von dem letzten Frieden erfahren, erlebt wie sich ihr Gesicht entspannte und ein inneres Strahlen von ihr ausging.

Oder hat der Tod uns plötzlich überfallen? Haben wir vielleicht einen Anruf bekommen oder stand der Nachbar vor der Tür und hat uns den Tod unsere Katze durch einen Autounfall mitgeteilt? Dieser Schock lässt uns innerlich erstarren und voller Unglauben zurück und doch weiß die Seele zutiefst, dass etwas grausames geschehen ist. Konnten wir vielleicht auch gar nicht Abschied nehmen von unserer  verstorbenen Katze, sei es durch letzte Worte oder sei es von ihrem Körper, damit wir begreifen, auch körperlich spüren konnten, dass in diesem Körper kein Leben mehr ist. Oder wurde uns davon abgeraten. Wir sollten "unsere verstorbene Katze so in Erinnerung behalten, wie sie in gesunden Tagen war", aber nun quält sich unsere Seele, ob sie denn wirklich tot ist. Haben wir von unserer verstorbenen Katze und ihrem Körper nicht Abschied nehmen können, so belastet das oftmals die Seele noch mehr, weil sie den Tod nicht begreifen kann.

So ist der Trauerprozess ein langer Weg, mit sehr unterschiedlichen Gefühlen, mit einer großen Intensität, aber auch mit einer großen Schwere und Einsamkeit.

Vom Vermissen und Fragen

Der Verlust eines geliebten Haustieres kann uns in den Abgrund von bedrängenden Fragen stürzen. Die Begegnung mit Sterben und Tod ist wohl die tiefste Erschütterung unseres Lebensgrundes und stellt häufig unseren Glauben radikal in Frage. Da sind einmal die großen Warum-Fragen:

    Aufzählung Warum starb ausgerechnet sie?
    Aufzählung Warum hatten wir nur so wenig Zeit?
    Aufzählung Warum hat meine Liebe dich nicht halten können?
    Aufzählung Warum nur musste mir/uns das passieren?

Das Denken versucht unter großen Anstrengungen Antworten zu finden, die den Schmerz lindern sollen. Auch das Fragen ist ein Versuch der Seele mit dem Geschehenen fertig zu werden. Die Fragen sind wichtiger als die Antworten, sie führen unseren Weg. Wir wollen dann gar keine Antwort, könnten gar keine Antwort ertragen, weil wir es ja noch nicht annehmen wollen und können. Für die Begleiter ist dies sehr wichtig, dass sie nicht Antworten parat haben, sondern dass die Fragen der Weg sind. Irgendwann, vielleicht nach Jahren findet der Betreffende seine Antwort, aber er kann sie nur in sich und nur für sich finden, wenn er mit diesen Fragen auf die Suche geht.

Dann gibt es die Fragen, die die verstorbene Katze betreffen:

    Aufzählung Wo bist Du jetzt?
    Aufzählung Wie mag es Dir jetzt gehen?
    Aufzählung Gibt es Dich überhaupt noch?
    Aufzählung Leidest Du?...

Dieses Fragen im Angesicht des Todes führt uns unmittelbar in die Bereiche des Religiösen, der Transzendenz. Diese Fragen sind für manche sehr dringlich, andere stellen sie sich nicht und wiederum andere haben ein tiefes Vertrauen, dass Gott schon in der rechten Weise für ihre verstorbene Katze sorgt. Träume, Religion und Gedichte, Philosophie und Mystik sind die Gebiete aus denen uns Antworten erwachsen können. Aber immer wird die Frage im Hintergrund stehen: Wie viel Gewissheit kann ich aus diesen Antworten empfangen, wie viel Glaubensgewissheit kann ich in meiner Person finden. Auch hier geht es wieder rum nicht darum, dass wir Antworten geben oder haben, sondern die Suche danach, so dass die Antworten langsam in uns wachsen können. Viele trauernde Tierhalter finden auch in der Geschichte über die Regenbogenbrücke Trost, da sie in Aussicht stellt, dass man irgendwann wieder mit seinem geliebten Tier vereint ist.

Vom Suchen, Finden und sich trennen

Auf dem Weg der Trauer schwanken wir vom Nicht-Wahrhaben wollen, dem Suchen, Finden und sich auch trennen hin und her. Unser verstorbenes Tier wird in Gesprächen, in Träumen und Erinnerungen gesucht.

Zum einen ist es ein Zeichen , dass der Trauernde seine verstorbene Katze noch gar nicht loslassen kann, sie sucht, hofft, sie doch im nächsten Augenblick zu sehen oder glaubt, sie kehre bald wieder nach Hause zurück.

Sie suchen sie in Träumen. Träumen sie von der verstorbenen Katze sind sie einerseits tief glücklich, weil sie sie ganz nah spüren, ja wieder lebendig miteinander waren, zum anderen ist das Aufwachen in die grelle Realität wieder ohne die geliebte Katze zu leben sehr grausam. Träume vermitteln oft auch eine innere Gewissheit, dass die verstorbene Katze in einer anderen Form weiterlebt und unser Leben begleitet.

Diese Suche ist ein Weg sich mit dem verstorbenen Tier auseinander zu setzen, ein Weg den Verlust zu akzeptieren.

Auch die Fragen: Habe ich etwas falsch gemacht? Wo hat ihr etwas gefehlt? Hätte ich etwas ändern können? gehören dazu. In den ersten Wochen ist es für trauernde Tierhalter fast "normal" Schuldgefühle gegenüber ihrem verstorbenen Tier zu haben. Es ist ein schmerzliches Erkennen, weil wir glauben, nichts wieder gutmachen zu können. Es ist hilfreich, der verstorbenen Katze gegenüber die eigene Schuld zu benennen und um Vergebung zu bitten. Eine gute Möglichkeit dazu ist ein Brief an sie zu schreiben. Wenn dieser Brief, dieses Anerkennen der eigenen Schuld und die Bitte um Vergebung aus dem eigenen Herzen kommt, können wir oft spüren, wie sich ein Knoten in unserem Inneren löst. Fühlen wir uns schuldig, dann binden wir uns an unser verstorbenes Tier. Es sind tiefe Bande, die uns nicht frei lassen.

Im Rückblick auf unsere Beziehung zu unserer Katze erfahren wir auch tiefe Dankbarkeit. Der tiefste Dank heißt wohl einfach: Ich bin so dankbar, dass Du in meinem Leben warst. Du hast mein Leben reicher, schöner und erfüllter gemacht. Wir erkennen, was wir füreinander waren, was wir uns geben konnten.

Jetzt ist der Verlust akzeptiert. Jetzt verändert sich auch der Schmerz, manchmal bleibt ein Weh zurück, aber sonst bleibt Dankbarkeit und "es war so". Das Leben zieht unerbittlich seine Kreise. Manchmal fällt es uns schwer den Schmerz loszulassen. Wir meinen dann unsere Katze zu vergessen, so als ob wir nicht wieder glücklich werden dürften und damit sie oder unser Liebe verraten würden. Aber unsere geliebte Katze weiß, dass wir sie nie vergessen würden.

Die Trauer verlässt uns nicht einfach so, sondern es braucht all unsere Lebenskraft sie zu verlassen und zu erkennen, dass wir damit nicht unsere verstorbene Katze verlassen, denn sie ist in uns, sondern den Raum der Trauer.

Von der Zeit

Eine so tiefe Wunde, wie die, die durch den Verlust eines geliebten Wesens entsteht, heilt nicht schnell. Den Verlust einer geliebten Katze zu verwinden, kann Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre dauern, abhängig von der persönlichen Bedeutung des erlittenen Verlusts. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass Trauer und Abschied sehr langwierige Prozesse sein können. Jeder Mensch hat hier sein ganz eigenes Tempo - und manch einer trauert Jahre. Die Trauerzeit ist absolut individuell. Es ist sehr schwer, den Fortschritt der Trauer zu spüren, weil wir immer wieder zurückgerissen werden in unsere Gefühle der Trauer und es kann sein, dass wir uns fragen, ob denn das noch normal sei. Aber dieses hin und her ist typisch für das Wesen der Trauer und absolut normal. Um das Ende einer bedeutenden Beziehung zu trauern, braucht Zeit, viel mehr Zeit als einem von anderen zugestanden wird.

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